Umsatzpolice oder Einzelpolicen

Statement zu zwei unterschiedlichen Konzeptarten  für Gewerbe- und Industriebetriebe (Umsatzpolice oder die klassische Platzierung über Einzelpolicen)

 

Wir möchten uns zu Wort melden, weil wir als unabhängiger Versicherungsmakler seit vielen Jahren auf Gewerbe und Industrie spezialisiert sind und immer wieder mit Erstaunen lesen, was zum Thema betriebliche Versicherungen veröffentlicht und vertrieben wird.
 
Es gilt, eine objektive Betrachtung vorzunehmen, die Transparenz bietet und den Kunden in die Lage versetzt, eine Bewertung für die eigene Situation/den eigenen Betrieb vorzunehmen. Insbesondere möchten wir im folgenden auf die Stärken und Schwächen verschiedener Vorgehensweisen (Konzepte) zur Platzierung des Versicherungsschutzes eingehen.

So ist in den letzten Jahren sehr häufig von sogenannten „Umsatzpolicen“ (Bündelprodukte) die Rede, die alles (oder vieles) in einer Police bündeln, scheinbar umfassenden Versicherungsschutz bieten und alles auch noch günstiger gestalten.

Daneben gibt es die klassische Vorgehensweise der Platzierung von einzelnen Versicherungsverträgen (z.B. Feuer, Maschinen, Haftpflicht u.s.w.). Hier ist es wichtig, eine genaue Abstimmung aufeinander vorzunehmen, was insbesondere Kenntnisse der Branche verlangt.
 
Beides hat seinen Charme. Nach gründlicher Überlegung und Besprechung mit seinem jeweiligen Versicherungsvermittler sollten alle Vor- und Nachteile geprüft und besprochen werden. Hierbei ist genau auf den noch zu ermittelnden Bedarf abzustellen, der selbst innerhalb der gleichen Branche und je nach Betrieb ganz erheblich voneinander abweichen kann.

So sollte zunächst einmal überprüft werden, wie das eigene Risikobewusstsein bewertet wird, also welcher Risikotyp man selber ist. Neigt man eher zur Vollkaskomentalität oder ist man bereit, auch gewisse Risiken selbst zu tragen.

Hierfür ist es natürlich notwendig, zuerst einmal über alle Facetten des Risikomanagements und der Versicherbarkeit umfassend und speziell abgestellt auf Ihren Bedarf informiert zu werden. Erst dann kann man sich überhaupt ein erstes Bild machen.

Stellt man dann fest, man neigt dazu, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, kann der Abschluss einer Umsatzpolice schon von daher fast vernachlässigt werden. Neigt man dazu, möglichst viele Gefahren versichern zu wollen, muss abgewogen werden, wo die Vor- und Nachteile der verschiedenen Vorgehensweisen liegen.

Vorweg kann gesagt werden, dass die Einzelplatzierungen zumindest wesentlich individueller auf den jeweiligen Betrieb abgestellt und dann  mit einem deutlich besseren Leistungsumfang ausgestattet werden können.   Keinesfalls sollte man sich von den einseitig angepriesenen Vorteilen der Umsatzpolice alleine blenden lassen.

Es gilt nicht, ein feststehendes Produkt (wenn auch vereinzelt auf eine Branche ausgerichtet und im Baukastenprinzip aufgebaut) einzukaufen, sondern den jeweiligen Betrieb mit allen Risikomerkmalen zu erfassen und dann das Versicherungsprodukt dahingehend anzupassen, also „genau den Nerv“ zu treffen.  

Die weitere Frage steht leider viel zu häufig alleine im Vordergrund, und zwar die Frage nach der Prämie. An der Prämie wird verständlicherweise zuerst die Messlatte angesetzt. Oft werden aber völlig verschiedene Konzepte verglichen, ohne auf die Eigenarten einzugehen. Es ist daher wichtig, eine möglichst günstige Prämienfindung unter Berücksichtigung der Risikomerkmale und der Versicherungskonzepte vorzunehmen.

Hierzu bedarf es einer Recherche und vor allem Kenntnisse der Versicherungsmärkte. Versicherer, die dieses Jahr gut und günstig sind, können nächstes Jahr schlecht und ungünstig sein. Daher ist es ratsam, bei Bedarf die gesamte Breite des Versicherungsmarktes (sprich der verschiedenen Versicherer) nutzen zu können.

Außerdem wandelt sich der Versicherungsmarkt ständig und ist von starken Prämienschwankungen betroffen, auf die im Zweifel reagiert werden sollte. Ist man dann bei nur einem Versicherer „gefangen“ oder in ein Konzept wie der Umsatzpolice eingebunden, ist ein schnelles Reagieren (z.B. durch Umdeckungen) nur sehr schwer möglich.

Einzelne Bausteine (wie z.B. die Maschinenversicherung) können nicht oder kaum herausgelöst und damit woanders separat besser und günstiger platziert werden. Dann müsste unter Umständen die gesamte Police aufgelöst und in Einzelteilen neu platziert werden. Ein Komplettwechsel (von einem zu einem anderen Versicherer) macht kaum Sinn, da somit die Stärken eines weiteren Versicherers in der Sparte „X“ (z.B. Haftpflicht oder ähnliches) wiederum nicht genutzt werden können. Zudem bieten aufgrund der erkennbaren Schwächen nur wenige Versicherer eine Umsatzpolice an. Viele haben sich aus diesem Markt wieder zurückgezogen.

Der jeweilige Versicherungsnehmer sollte sich – unberücksichtigt der sonstigen Umstände  - drei Sachen nicht und niemals nehmen lassen:           

Unabhängigkeit (Auswahlmöglichkeit verschiedener Versicherer muss immer zum eigenen Schutz gewahrt bleiben)

Flexibilität (VN sollte immer auf veränderte Marktverhältnisse auch durch Teilumdeckungen reagieren können, um auch eine schnelle Anpassung an eigene Veränderungen (egal aus welchem Grund) vornehmen zu können)           

Transparenz (Jeder Kunde muss die Kalkulation der Prämien bis ins Detail offengelegt bekommen, z.B.  zu jeder Sparte die Prämienfindung, die genaue Versicherungssumme usw.. Nur dann ist eine Nachvollziehbarkeit gegeben).
 
Auch an diesem Punkt scheitern bereits viele Versicherer und Vermittler mit den Umsatzpolicen. Dort gilt:

Am Anfang werden die verschiedenen Eckdaten und bisherigen Versicherungssummen (zu Maschinen, Elektronik, Feuer usw.) zusammengetragen. Dann folgt eine interne (oft „geheime“) Berechnung der Prämien je Sparte. Danach wird alles addiert und zu einem Gesamt-Promillesatz bezogen auf den Umsatz umgerechnet. Der Versicherungsnehmer erfährt somit nur die Endprämie. Bestenfalls erhält man auch Prämiensätze zu den einzelnen versicherten Bausteinen, aber immer nur bezogen auf den Umsatz, nicht auf die eigentlich wichtige Versicherungssumme. Eine Vergleichbarkeit ist nicht mehr gegeben.

Dies dient einzig und alleine dem Schutz des Versicherers oder des Vermittlers vor Wettbewerb und vor allem soll damit der Versicherungsnehmer „im Nebel stochern“ und die Prämienberechnung nicht mehr nachvollziehen können. Der betroffene Versicherungsnehmer wird dadurch träge und wechselt nicht mehr so schnell, weil ihm der Aufwand, alles wieder auseinander zu puzzlen, zu groß ist. Das Kalkül des Vermittlers wäre dann aufgegangen.

Hier können wir nur empfehlen, sich die „interne Berechnung“ (bezogen auf die Versicherungssummen (nicht Umsatzsumme)) schriftlich und bis ins Detail aushändigen zu lassen. Hat der Vermittler oder der Versicherer nichts zu verbergen, wird er dies tun. Ansonsten ist höchste Vorsicht geboten. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass dieser Bitte in den seltesten Fällen nachgekommen wird.

Aus all unseren bisher nur vordergründigen Ausführungen ist erkennbar, wie schwer es ist, sich in der Thematik Versicherungen zurecht zu finden. Professionelle Hilfe von einem wirklich unabhängigen und mit der speziellen Branche vertrauten Versicherungsmakler ist wohl unerlässlich, um diesen Weg gemeinsam und erfolgreich zu bestreiten.

Konkrete Beispiele von Schadenfällen aus der Branche gibt es genug. Hieran lässt sich sicherlich ein stückweit die Erfahrung des jeweiligen Vermittlers ablesen. Aber entscheidend bleibt die spezielle Beschäftigung mit Ihrem Bedarf, die objektive und sehr zeitaufwendige Beratung und nicht zuletzt die Unterstützung im konkreten und immer unterschiedlichen Schadenfall.